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Gartenausstellung statt Mittelfinger - Das Liebeskummer Missverständnis

Die erste Hälfte von 2018 hatte ich Liebeskummer. Zum ersten Mal und so richtig schlimm, mit tagelang nicht Schlafen können, Heulanfällen bis zum Erbrechen, richtig körperlichen Schmerzen und dem Gefühl, ohne den anderen nicht weiterleben zu können.

Starkes Vermissen seiner Stimme, seiner Berührungen, Riechen an seinen Sachen, Fotos anschauen und seine Songs hören, ..... das ganze hardcore Drama Programm eben.

Wenn jemand mir damals von meinem Ex-Partner erzählt hat, ich auf social Medias ein Bild gesehen hab oder in der Öffentlichkeit ein Plakat von ihm, war das wie ein unvorbereiteter Schlag in den Magen. Es kam genau genommen einem Schock gleich. Ich musste mich oft zusammen reißen, und hab im Anschluß alleine geweint und mich bemühen müssen, dass ich nicht die alten Sachen und Fotos durchschaue und mich wieder schmerzlich meinen Erinnerungen und meiner Sehnsucht hingebe.

Nach viel Weinen und aktiver Arbeit daran, zu akzeptieren, dass es für immer vorbei ist und nach dem Beschluß, statt zu Trauern in der Zeit lieber was Schönes für mich selbst zu machen, ging es mir immer besser.

Als ich endlich soweit war, dass ich beim unvorbereiteten Sichten eines Fotos von ihm keinen Schmerz und kein Vermissen mehr empfunden hab, sondern einfach nur “der Arsch“ oder „hässliche Frisur hat er jetzt“ dachte, war ich froh, denn:

Ich sah es als Beweis, dass ich über ihn hinweg war. Ich fühlte mich nicht mehr emotional oder körperlich zu ihm hingezogen und empfand nur mehr Wut.

Endlich keine Liebe mehr. Was für eine Erleichterung.

Ich war geheilt.

Dachte ich.

Ich dachte tatsächlich, dass, sobald ich meinen Ex als „Arschloch“ bezeichnen kann statt als schmerzlich verlorenen Traummann, ich über ihn hinweg wäre.

Und ich beobachte sehr viele Frauen, die es genau so sehen.

Das ist aber leider ein absolutes „misconcept of healing“.

Beim unerwarteten Sichten eines Fotos Wut zu empfinden, ist genau so eine starke emotionale Verbundenheit wie Liebeskummer, noch lange kein Abschluß und von Freiheit weit entfernt.

Wut und Hass binden genauso wie Liebeskummer und Traurigkeit.

Wenn wir die nicht los lassen und unseren Körper von diesen emotionalen Lasten befreien, schleppen wir unsere Expartner energetisch ständig mit, natürlich auch in eine neue Beziehung.


Ein 55- jähriger Freund erzählte mir von seinem neulichen Maturatreffen. Noch immer wurde er von einer ehemaligen Klassenkollegin ignoriert, weil er sie vor Jahrzehnten in der 7B nach kurzer Teenagerbeziehung, stehen lassen hat. Ganz ehrlich?

Mit 55 möchte ich nicht mehr auf den Tobi aus der 7B sauer sein und diese Energien über meiner aktuellen Beziehung schweben haben und keinen Kinofilm neutral anschauen können, wo ein Tobi die Hauptrolle spielt......

Altlasten gehören aufgelöst, damit man befreit sein Leben genießen kann.

Die unaufgelöste Vergangenheit versaut uns sonst den Genuß der Gegenwart.


Ich wusste, dass ein versöhnender, klärender und auflösender Dialog mit meinem Expartner ausgeschlossen war, weil er sich per sms getrennt hat und mir Dialog, Begründung oder Verabschiedung verweigert hatte.

Mein Ziel war es, endlich von allen belastenden Emotionen die mich nach wie vor an ihn gebunden haben, befreit zu werden.

Ich wollte, dass wenn ich wieder unvorbereitet ein Plakat von ihm sehe, es genauso auf mich wirkt wie ein Plakat einer Gartenausstellung. Vollkommen neutral und vollkommen belanglos.

Keine Wut, kein Schmerz, keine Trauer, keine Angst, keine Sehnsucht - nichts. Vollkommen neutral.

Das Ziel mit Ex-Partnern muss ja nicht Versöhnung und Liebe und Verständnis füreinander sein, zumal das in manchen Situationen wirklich nicht geht. Aber solange wir diese Personen nicht neutral empfinden können, sind wir nach wie vor gebunden.

Ich hab eingesehen, dass in meinem Körper noch gewaltige Emotionen fest steckten und nur mein Geist verstanden hatte, dass ich nun Single war.

Ich hab mir alle Wut, Trauer, meine immense Enttäuschung, meinen Schock, meine Schmerzen bis auf 0 regelrecht aus meinem Körper raus geklopft mit einer alten Klopf-Technik.

Endlich genieße ich den ersehnten „Gartenausstellungs-feelings-Effekt" beim Sichten eines Fotos und fühle mich befreit, friedlich und vor allem dankbar.

Und erst von diesem Zustand aus kann man entspannt, und tatsächlich ohne Altlasten, eine neue Beziehung beginnen. Denn dann bringt man maximal wertvolle Erkenntnisse mit.

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