• ingridiem

Mindfuck - you may fuck yourself

Aktualisiert: 29. Juli 2019

Silence and peace where there was party all night long....


Gestern hab ich auf einer Veranstaltung gesungen. Die Rahmenbedingungen waren so, dass ich früher einen medium bis anstrengenden Abend gehabt hätte.

Aber ich hatte so einen Frieden und Glück in mir und hab so inspirert und mit funkelnden Augen gesungen und aus vollem Herzen getanzt und mich von nichts beeinflussen lassen.

Ich wurde von 7 verschiedenen fremden Menschen angesprochen, warum ich so ur positiv drauf bin. Meine Antwort war immer „ich bin einfach so glücklich!“ – danach waren die meisten irritiert. Und ich verstehs. J

Wir brauchen einen tollen neuen Job oder eine tolle neue Liebe oder einen Traum Urlaub als Erklärung.

Einfach so und wenn du noch dazu aktuell keinerlei Lebensumstände hast, die gesellschaftlich nachvollziehbar glücklich machen, das irritiert und muss dann meistens Erklärungen finden wie „die ist sicher auf was drauf“. Aber in mir war nur Cola zero und Mineralwasser J

Ich hielt mich nach jahrelangem Feedback vieler Menschen, für eine sehr postive, lustige, mitreißende Person.

In der Öffentlichkeit etwas schüchtener, aber privat spätestens nach 2 Spritzern sehr lustig, offen, spontan, abenteuerlustig und mit kindlichem Humor lebend.

Und dann kam sie. Vor 2 Wochen.

Die mega Erkenntnis, die mich wie ein Schlag aus dem Nichts mitten in den Magen getroffen hat.

Dass ich in Wahrheit ein zutiefst unzufriedener Mensch bin.

Ewig am Optimieren. Ewig am Tagträumen. Mit ständigen Stimmen in meinem Kopf, die sich nach einer großartigeren Realität sehnen und sie in allen Farben ausmalten.

Wenn ich am Strand Urlaub machte, hörte ich in meinem Kopf „schade, dass das nur eine Woche ist! Nächstes Jahr unbedingt 2!“ statt dass ich einfach die Umgebung und den Urlaub total genossen hätte.

Bei einem unglaublich schönen Date im Ausland überwiegte der Frust über „den seh ich ab morgen nie wieder“ statt den Moment umso mehr zu genießen.

Wenn mir Freunde ihr neues Haus gezeigt haben, dachte ich mir „scheiße, das will ich auch“ statt mich im Hier und Jetzt dem Staunen und Mitfreuen hinzugeben.

Statt meine Wohnung 100% zu genießen, war ich nur am „Terrasse wäre noch wichtig“ denken.

Beim Spielen mit meiner Tochter hatte ich sehr oft im Kopf, was ich noch alles erledigen muss und konnte so weder das Spielen, noch den Tag genießen, weil ich mich dadurch selbst hin- und hergerissen habe.

Durch die ewig aufgedrehten Stimmen entstand unter allen Schichten eine latente Unzufriedenheit. Alles war zwar toll, aber könnte besser sein.

Tja.

Das kann es aber immer.

Bei jedem.

Jede Beziehung der Welt könnte noch besser sein.

Jedes Haus, jedes einzelne Haus könnte größer und noch schöner sein.

Wenn du 3 Autos hast, könntest du garantiert noch ein 4. mit anderem Zweck als die ersten 3 brauchen.

Jeder Traumurlaub könnte länger, billiger, schöner oder mit besserer Gesellschaft sein.

Wenn wir so denken, und diesem Mindfuck Raum und Gehör schenken, wird er nie aufhören, egal wieviel Besitz wir haben, wie glücklich wir vergeben sind, wieviele Kinder wir haben, welche berufliche Position wir haben.

Es geht immer höher, besser, schneller, mehr.

Zufrieden und innerlich friedlich und glücklich zu sein hat nichts mit unserem Besitz, Beziehungsstand, Aussehen oder Job zu tun. Das hab ich endlich, im 40. Lebensjahr verstanden.

Ich dachte immer „sobald ich das und das habe, werde ich so richtig richtig glücklich sein“. Bei meinen Stimmen im Kopf wäre dieser Moment allerdings nie gekommen. Dauerhaft meine ich damit. Kurz, ja.

Natürlich war ich unfassbar glücklich beim 1. Halten meines Babys. Bei tollen Liebeserklärungen. Bei meiner Traumhochzeit. Bei unglaublich lustigen Momenten mit ganz engen Freunden. Bei Konzerten, wo ich total inspiriert und verbunden aus tiefster Seele gesungen habe.

Ja, das waren alles herrliche und durchaus glückliche Momente.

Aber das hielt nie lange an. Diese Glückskicks gaben mir trotzdem keine tiefe, innere Zufriedenheit mit mir selbst und allem um mich im Hier und Jetzt.

So richtig abschalten und genießen konnte ich nur wenn ich wirklich gute Musik gemacht hab, wenn ich zu super Musik in super Location getanzt habe, wenn ich guten Sex hatte und wenn ich so richtige Lachkrämpfe hatte.

Und ich konnte alles nur 100% genießen an Tagen voller Harmonie. Ein beleidigender Kommentar auf fb reichte oft schon, dass ich mich nurmehr medium gefühlt hab oder der Kommentar zumindest in meinem Kopf war und meine Energie und Aufmerksamkeit gefordert hat.

Die Erkenntnis, dass ich, obwohl ich so ein humorvolles und positives Wesen habe, trotzdem in Wahrheit im normalen Alltag unzufrieden war, war ein kleiner Schock.

Und wie immer wollte ich eine Lösung finden. Ich finde mich nicht ab mit solchen Situationen, ich liebe es zu lernen und mich zu entwickeln und weiter zu kommen.

Ich beschloss, dem Mindfuck keinen Raum mehr zu geben, und meine Stimmen im Kopf reden zu lassen, ihnen aus der Vogelperspektive zuzuhören und mich dafür nicht zu schämen. Ich fand sie sogar irgendwie süß und lustig, dass die immer was finden, was mehr sein könnte. Haha.

Aber viel wichtiger – ich habe geübt, das Hier und Jetzt, den Moment absolut zu genießen. Sinnlichkeit zu spüren, auch wenn ich nur sitze und was trinke.

Zu spüren und bemerken, was ich gerade mache. Das Leben nichtmehr zu verpassen.

Bei einem Waldspaziergang alles bewusst zu hören und spüren statt meinen Stimmen Raum zu geben, die sagen „schade, dass du wieder alleine spazieren gehen musst“

Endlich sind Spaziergänge oder einfach nur sitzen oder einfach nur im Bett aufwachen total friedlich und schön.

Ich denke morgens nichtmehr „scheiße, schon so spät“ oder „fuck 15 whatsapps“, sondern ich bemerke, wie sich mein Körper unter der Decke anfühlt und genieße das Gefühl.

Endlich hier und jetzt und endlich friedlich und glücklich.

Ohne Traummann, am Land lebend mit meinem Kind, ohne sicheren Job und ohne finanzielle Absicherung.

Aber unendlich reich in mir. Und das dauerhaft.